Manche Projekte beginnen mit einer guten Idee.
Andere mit einem Problem, das dringend gelöst werden muss.
Und manche beginnen damit, dass man irgendwo im Internet über ein Desktopbild stolpert, auf dem aus Debian plötzlich Lesbian wird.

Ich gehöre offensichtlich zur dritten Kategorie. 😅
Vor einiger Zeit habe ich genau so ein Bild entdeckt. Eigentlich ziemlich simpel: Debian-Optik, Anime-Motiv, kleines Wortspiel. Nichts, worüber man normalerweise länger als ein paar Sekunden nachdenken müsste.
Ich fand die Idee trotzdem irgendwie lustig.
Und leider bedeutet „irgendwie lustig“ bei mir inzwischen viel zu oft:
„Hmm. Daraus könnte man doch was machen.“
Damit war das Schicksal meines Desktops praktisch besiegelt.
Nicht kopieren, sondern eskalieren
Einfach das Original nachzubauen fand ich langweilig.
Mich hat vielmehr interessiert, wie meine eigene Interpretation davon aussehen könnte. Also blieb vom Ausgangspunkt eigentlich nur die Grundidee übrig: das Wortspiel, zwei Figuren und eine gewisse Portion pinkfarbener Unsinn.
Der Rest entwickelte sich nach und nach selbst.
Mehr Neon.
Dunklere Flächen.
Eigene Wallpaper.
Andere Kleidung.
Logos.
Ein zusammenhängendes Farbschema.
Und irgendwann war aus einem einzelnen Meme-Bild etwas geworden, das schon deutlich mehr nach einem vollständigen Desktop-Theme aussah.
Völlig unnötig.
Also genau richtig. 😂
Kleines Problem: Ich benutze gar kein Debian
Das ursprüngliche Wortspiel funktioniert natürlich hervorragend, solange unter dem Ganzen Debian läuft.
Mein Hauptsystem ist aber Kubuntu.
Damit ging ausgerechnet der Gag verloren, mit dem alles angefangen hatte.
Debian → Lesbian.
Sehr schön.
Kubuntu → Lesbian.
Ähm.
Ja.
Marketingabteilung sagt Nein. 😅
Trotzdem wollte ich wissen, wie das Design auf meinem eigentlichen System wirken würde.
Also musste Kubuntu mal wieder leiden.
Vom Meme blieb irgendwann gar nicht mehr so viel übrig
Für die Kubuntu-Version habe ich das Konzept noch einmal angepasst.
Das Debian-Branding flog natürlich raus und wurde durch Kubuntu ersetzt. Die Grundfarben blieben dunkel, Pink und Violett wurden zu den auffälligen Akzenten und auch die einzelnen Bilder habe ich stärker aufeinander abgestimmt.
Dazu kamen passende Elemente für rEFInd, SDDM, Lockscreen und Plasma selbst.
Nicht, weil ein Desktop unbedingt eine zusammenhängende visuelle Linie vom Einschalten bis zum fertigen Arbeitsplatz braucht.
Sondern weil ich es inzwischen offenbar persönlich nehme, wenn irgendwo fünf Sekunden lang ein Standardhintergrund auftaucht. 😂
Auch Fastfetch durfte natürlich nicht unbeschadet davonkommen.
Wenn schon Theme, dann bitte konsequent.
Ein kleiner Rundgang durch die Eskalation
Damit man sieht, wie weit das Ganze inzwischen vom ursprünglichen Meme entfernt ist, hier einmal der Weg vom Einschalten bis zum fertigen Desktop.





Inspiration ist für mich kein Bauplan
Das eigentlich Interessante daran ist für mich inzwischen gar nicht mehr das ursprüngliche Meme.
Das war nur der Auslöser.
Ich finde es spannender, was passiert, wenn man eine fremde Idee nimmt und sie durch den eigenen Geschmack jagt.
Denn am Ende sieht meine Version kaum noch wie das Ausgangsbild aus.
Das Wortspiel funktioniert nicht mehr richtig, die Farben sind andere, Kubuntu hat Debian ersetzt und aus einem einzelnen Motiv ist ein komplettes Theme geworden.
Trotzdem wäre all das ohne dieses eine Bild wahrscheinlich nie entstanden.
Und genau so mag ich Inspiration eigentlich am liebsten.
Nicht:
„Das will ich genauso haben.“
Sondern eher:
„Das finde ich interessant. Mal sehen, was mein Gehirn daraus macht.“
Dass die Antwort in meinem Fall offenbar Neon, Pink, zwei Anime-Mädels und ein leicht verwirrtes Kubuntu lautet, konnte ja vorher niemand ahnen.
Also außer vermutlich jedem, der diesen Blog schon länger liest. 😅
Und jetzt?
Das Theme ist fertig und wird tatsächlich auf meinem normalen Kubuntu benutzt.
Damit hat es die seltene Entwicklungsstufe erreicht, bei der aus „ich bastel da mal kurz was“ tatsächlich etwas geworden ist, das nicht nach zwei Tagen wieder in irgendeinem Projektordner verschwindet.
Ob es weniger Meme geworden ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht.
Aber es hat definitiv mehr Neon bekommen.
Und Storytelling.
Und Kubuntu muss jetzt damit leben.
Läuft. 😂